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Arbeitszeugnis als ZFA: Was die Formulierungen wirklich bedeuten
Beitrag von Vanessa
Karriere-Beraterin bei medmingle
Dein Arbeitszeugnis klingt positiv? Das bedeutet leider nicht, dass es gut ist. Arbeitszeugnisse in Deutschland folgen einer verschlüsselten Sprache, die sich auf den ersten Blick wohlwollend liest, aber zwischen den Zeilen vernichtend sein kann. Und die meisten ZFA und MFA wissen das nicht.
In diesem Artikel lernst du, die wichtigsten Zeugnis-Codes zu entschlüsseln. Du erfährst, welche Rechte du hast, wenn dein Zeugnis schlecht ist, und worauf du achten musst, bevor du es in deine nächste Bewerbung legst.
Dein Anspruch: Einfaches vs. qualifiziertes Zeugnis
Nach Beendigung deines Arbeitsverhältnisses hast du einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Es gibt zwei Varianten:
- Einfaches Zeugnis: Bestätigt nur Art und Dauer der Beschäftigung. Keine Bewertung. Reicht nur als Nachweis, dass du dort gearbeitet hast.
- Qualifiziertes Zeugnis: Beschreibt deine Tätigkeiten, bewertet deine Leistung und dein Verhalten. Das brauchst du. Fordere es immer aktiv an.
Wichtig: Dein Arbeitgeber muss das Zeugnis wohlwollend formulieren. Das heißt, es darf dir nicht unnötig schaden. Aber „wohlwollend“ heißt nicht „hrlich“. Genau deshalb gibt es die Zeugnis-Codes: Sie erlauben es, Kritik zu äußern, ohne direkt negativ zu klingen.
Der Zeugnis-Code: So dekodierst du dein Zeugnis
Die wichtigste Stelle im Zeugnis ist die Leistungsbeurteilung. Sie folgt einem Notensystem, das sich über bestimmte Schlüsselformulierungen entschlüsseln lässt:
Note | Formulierung | Bedeutung |
1 | „…stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ | Herausragend, über alle Erwartungen |
2 | „…stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ | Gut, überdurchschnittlich |
3 | „…zu unserer vollen Zufriedenheit“ | Befriedigend, solide |
4 | „…zu unserer Zufriedenheit“ | Ausreichend, unterdurchschnittlich |
5 | „…im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ | Mangelhaft |
6 | „…hat sich bemüht“ | Ungenügend, vernichtend |
Faustregel: Achte auf die Wörter „stets“ und „vollste/volle“. „Stets“ + „vollste“ = Note 1. „Stets“ + „volle“ = Note 2. Ohne „stets“ = Note 3 oder schlechter. Fehlt das Wort „Zufriedenheit“ ganz, ist es katastrophal.
Versteckte Warnsignale: Darauf musst du achten
Neben der Leistungsbeurteilung gibt es subtile Signale, die ein geschulter Personaler sofort erkennt:
Fehlende Schlussformel
Ein gutes Zeugnis endet mit Bedauern über das Ausscheiden und guten Wünschen für die Zukunft: „Wir bedauern ihr Ausscheiden und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg.“ Fehlt die Schlussformel komplett, ist das ein negatives Signal.
Betonung von Selbstverständlichkeiten
„Sie war stets pünktlich und hat ihre Aufgaben ordnungsgemäß ausgeführt.“ klingt okay, ist aber ein Warnsignal. Pünktlichkeit und ordnungsgemäße Arbeit sind Grundvoraussetzungen, keine Leistung. Wenn das die Highlights sind, sagt das Zeugnis: Es gab nichts Besseres zu erwähnen.
Reihenfolge der Bewertung
In einem guten Zeugnis steht die Leistungsbewertung vor der Verhaltensbeurteilung. Wird das Verhalten vor der Leistung erwähnt, kann das bedeuten: Die Leistung war nicht der Rede wert.
Passive Formulierungen
„Ihr wurden verschiedene Aufgaben übertragen“ statt „Sie übernahm eigenständig verschiedene Aufgaben“. Die passive Form signalisiert: Eigeninitiative war nicht ihre Stärke.
Doppeldeutige Formulierungen
„Sie hat mit ihrer geselligen Art zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen“ klingt nett, bedeutet aber: Sie hat zu viel gequatscht. „Sie zeigte Verständnis für ihre Arbeit“ heißt: Sie hat nichts geleistet, nur zugeschaut.
Schlechtes Zeugnis? Das kannst du tun
1. Korrektur verlangen
Du hast ein Recht auf ein wohlwollendes und wahrheitsgemäßes Zeugnis. Wenn die Formulierungen schlechter als Note 3 sind, kannst du Korrektur verlangen. Mach das schriftlich und nenne konkret, welche Formulierungen du geändert haben möchtest.
2. Frist beachten
Prüfe dein Zeugnis sofort nach Erhalt. In vielen Arbeitsverträgen und Tarifverträgen gibt es Ausschlussfristen für Änderungsforderungen (oft 6 Monate). Je früher du reagierst, desto besser.
3. Hilfe holen
Wenn dein Arbeitgeber die Korrektur verweigert, kannst du dich an den vmf (Verband medizinischer Fachberufe) wenden, wenn du Mitglied bist. Alternativ hilft ein Fachanwalt für Arbeitsrecht. Viele bieten eine kostenlose Erstberatung an.
Häufige Fragen
Muss mein Arbeitgeber mir ein Zeugnis ausstellen?
Ja. Du hast einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis, wenn dein Arbeitsverhältnis endet. Das gilt unabhängig davon, ob du kündigst oder gekündigt wirst.
Wie schnell muss ich das Zeugnis bekommen?
Spätestens zum Ende deines Arbeitsverhältnisses. In der Praxis dauert es manchmal länger. Fordere es schriftlich ein und setze eine Frist von zwei Wochen.
Kann ich ein Zwischenzeugnis verlangen?
Ja, bei berechtigtem Anlass: bevorstehende Kündigung, Vorgesetztenwechsel, Versetzung oder nach längerer Betriebszugehörigkeit. Ein Zwischenzeugnis ist besonders wertvoll für Bewerbungen, solange du noch in der Praxis arbeitest.
Darf ich mein Zeugnis selbst vorschreiben?
Ja, und viele Arbeitgeber sind sogar dankbar dafür. In kleinen Zahnarztpraxen fehlt oft die Erfahrung im Schreiben von Zeugnissen. Einen eigenen Entwurf vorzulegen spart beiden Seiten Zeit und stellt sicher, dass die richtigen Formulierungen drinstehen.
Fazit: Lass dich nicht mit Codes abspeisen
Dein Arbeitszeugnis ist deine Visitenkarte für den nächsten Job. Prüfe es sorgfältig, entschlüssle die Formulierungen und fordere Korrekturen ein, wenn nötig. Du hast ein Recht auf ein faires Zeugnis.
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