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Überstunden als ZFA: Deine Rechte und was du dir nicht gefallen lassen musst
Beitrag von Vanessa
Karriere-Beraterin bei medmingle
“Kannst du heute länger bleiben?” Diesen Satz kennt jede ZFA. Manchmal ist es ein Notfall-Patient, manchmal eine Krankmeldung im Team, manchmal einfach eine schlechte Planung. Einzelne Überstunden gehören zum Praxisalltag. Aber wenn “ab und zu länger bleiben” zur Dauereinrichtung wird, hast du ein Problem. Und Rechte, die du kennen solltest.
Dieser Artikel erklärt dir, was dein Arbeitgeber darf und was nicht, welche Zuschläge dir zustehen und was du konkret tun kannst, wenn die Überstunden überhand nehmen.
Ab wann zählt Arbeitszeit als Überstunde?
Überstunden sind alle Arbeitsstunden, die über deine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinausgehen. Steht in deinem Vertrag 39 Stunden pro Woche und du arbeitest 42, hast du 3 Überstunden gemacht. So einfach ist das.
Wichtig: Maßgeblich ist dein Arbeitsvertrag, nicht der Tarifvertrag. Wenn in deinem Vertrag 35 Stunden stehen, beginnen Überstunden ab Stunde 36. Auch wenn der Tarif 39 Stunden als Vollzeit definiert.
Tipp: Dokumentiere deine tatsächlichen Arbeitszeiten selbst, zum Beispiel mit einer einfachen Notiz-App. Seit dem EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung ist dein Arbeitgeber zwar verpflichtet, deine Arbeitszeit zu erfassen. Aber viele Zahnarztpraxen tun das noch nicht. Deine eigene Dokumentation ist dann dein bester Schutz.
Muss ich Überstunden machen?
Grundsätzlich: Nein. Du bist nur zur Arbeitsleistung im Umfang deines Arbeitsvertrags verpflichtet. Dein Arbeitgeber kann Überstunden nicht einfach einseitig anordnen, es sei denn:
- Dein Arbeitsvertrag enthält eine Überstundenklausel, die Überstunden in bestimmtem Umfang erlaubt
- Es liegt ein echter Notfall vor (z.B. ein Notfall-Patient, nicht “wir haben zu viele Termine gebucht”)
- Der Tarifvertrag enthält entsprechende Regelungen
Viele Arbeitsverträge in Zahnarztpraxen enthalten eine Klausel wie “Überstunden können in angemessenem Umfang angeordnet werden”. Das ist rechtlich zulässig, aber “angemessen” hat Grenzen. 10 Überstunden pro Woche dauerhaft sind nicht angemessen.
Welche Zuschläge stehen dir zu?
Nach dem Manteltarifvertrag für ZFA sind für Mehrarbeit, Wochenend- und Feiertagsarbeit Zuschläge vorgesehen:
Art der Arbeit | Zuschlag |
Überstunden (allgemein) | 25 % |
Samstagsarbeit (ab 13:00 Uhr) | 25 % |
Sonntagsarbeit | 50 % |
Feiertagsarbeit | 100 % |
Neujahr, 1. Mai, Ostern, Pfingsten, Weihnachten | 100 % |
Nachtarbeit (20:00–06:00 Uhr) | 25 % |
Arbeit am 24. und 31.12. ab 12:00 Uhr | 100 % |
Quelle: Manteltarifvertrag für ZFA. Die Zuschläge gelten nur bei Tarifbindung. Ohne Tarifbindung gilt, was in deinem Arbeitsvertrag steht.
Achtung: Wenn in deinem Arbeitsvertrag steht, dass Überstunden “mit dem Gehalt abgegolten” sind, ist das nur wirksam, wenn die Anzahl der abgegoltenen Überstunden klar definiert ist (z.B. “bis zu 10 Überstunden pro Monat”). Eine pauschale Klausel ohne Obergrenze ist nach aktueller Rechtsprechung unwirksam.
Auszahlung oder Freizeitausgleich?
Dein Arbeitgeber hat zwei Möglichkeiten, Überstunden auszugleichen: Entweder durch Bezahlung (inklusive Zuschlag) oder durch Freizeit. In vielen Praxen ist Freizeitausgleich üblich. Wichtig: Auch beim Freizeitausgleich müssen die Zuschläge berücksichtigt werden. Eine Überstunde mit 25 % Zuschlag ergibt 1,25 Stunden Freizeit, nicht einfach eine.
Falls in deinem Arbeitsvertrag nichts Gegenteiliges steht, muss der Freizeitausgleich nach dem Tarifvertrag innerhalb eines Zeitraums von vier bis zwölf Wochen erfolgen. Dein Arbeitgeber kann nicht unbegrenzt Überstunden ansammeln lassen.
Was tun, wenn die Überstunden überhand nehmen?
1. Dokumentieren
Notiere täglich deine Anfangs- und Endzeiten. Per Handy-Notiz, Kalender-App oder auf Papier. Ohne Dokumentation hast du im Streitfall keine Beweise.
2. Gespräch suchen
Sprich das Thema sachlich an. Nicht vorwurfsvoll, sondern lösungsorientiert: “Mir ist aufgefallen, dass ich in den letzten vier Wochen durchschnittlich X Überstunden pro Woche gemacht habe. Wie können wir die Arbeitsbelastung besser verteilen?”
3. Schriftlich festhalten
Wenn mündliche Absprachen nicht eingehalten werden, fasse sie per E-Mail zusammen: “Wie heute besprochen, werden meine Überstunden ab sofort als Freizeitausgleich abgebaut.” Das schafft Verbindlichkeit.
4. Grenzen setzen
Du darfst Nein sagen. Wenn keine Überstundenklausel im Vertrag steht und kein Notfall vorliegt, bist du nicht verpflichtet länger zu bleiben. Das fühlt sich am Anfang schwierig an, besonders in kleinen Teams. Aber dein Arbeitgeber ist für eine ausreichende Personalplanung verantwortlich, nicht du.
5. Konsequenzen ziehen
Wenn Gespräche nichts ändern und Überstunden weiterhin unbezahlt, unausgeglichen oder dauerhaft erwartet werden, ist das ein klares Signal, die Praxis zu wechseln. Chronische Überstunden ohne Ausgleich sind nicht normal. Sie sind ein Zeichen von schlechtem Management. Und du hast Optionen.
Häufige Fragen
Mein Chef sagt, Überstunden gehören dazu. Stimmt das?
Gelegentliche Überstunden können vorkommen, ja. Aber dauerhafte, systematische Überstunden sind ein Organisationsproblem der Praxis, nicht dein Normalzustand. Kein Arbeitsvertrag verpflichtet dich zu unbegrenzter Mehrarbeit.
Verfallen meine Überstunden irgendwann?
Das hängt von deinem Arbeitsvertrag und dem Tarifvertrag ab. Generell gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Aber viele Arbeitsverträge enthalten kürzere Ausschlussfristen (z.B. 6 Monate). Prüfe deinen Vertrag und fordere regelmäßig Ausgleich ein.
Gelten für Teilzeitkräfte andere Regeln?
Nein. Teilzeitkräfte haben die gleichen Rechte. Überstunden beginnen ab der ersten Minute über deine vertragliche Arbeitszeit. Arbeitest du laut Vertrag 25 Stunden und musst 30 arbeiten, sind das 5 Überstunden, die vergütet oder ausgeglichen werden müssen.
Fazit: Deine Zeit hat einen Wert
Jede Stunde, die du unbezahlt und unausgeglichen arbeitest, ist eine Stunde, die du verschenkst. Kenne deine Rechte, dokumentiere deine Zeiten und scheue dich nicht, das Thema anzusprechen. Wenn deine Praxis deine Zeit nicht respektiert, respektiert sie dich nicht.
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